Im Rahmen unserer neuen Reihe „Warum Konstruktionen kollabieren“ beleuchten wir Fälle aus der Praxis in Deutschland, die zeigen, wie schnell unsachgemäße Eingriffe in die Bausubstanz zu kritischen Situationen führen können.
Der Fall: Bei routinemäßigen Dacharbeiten wird zufällig ein Brandmelder ausgelöst. Die ausführende Firma untersucht den Deckenhohlraum und macht eine erstaunliche Entdeckung: Ein tragender Fachwerkträger wurde bei früheren Umbauarbeiten offensichtlich gezielt durchtrennt – wohl nach dem Motto „Das hält schon noch“. In diesem Moment wurden wir von zigmo engineering als Fachingenieure hinzugezogen, um die Lage zu beurteilen.

Unsere Analyse bestätigte den kritischen Zustand: Ein Fachwerk ist ein hocheffizientes Tragsystem, bei dem jeder Stab eine definierte Aufgabe (Druck oder Zug) übernimmt. Entfernt man auch nur ein Bauteil, kann das gesamte System versagen. Dass die Konstruktion noch nicht versagt hatte, war wohl Glück – vermutlich waren die Bemessungslasten bisher nicht aufgetreten.

Wir haben anschließend eine neue, unabhängige Stahlkonstruktion als Ersatztragwerk geplant, die die Lasten nun sicher abträgt und die Stabilität des Daches wiederherstellt. Ein solcher Eingriff ist nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern auch mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Die unplanmäßige Sperrung, der Einbau der Ersatzstahlkonstruktion über mehrere Geschosse hinweg – all das kostet Zeit und Geld. Ein typisches Beispiel dafür, warum Bauen im Bestand immer mit Unwägbarkeiten verbunden ist und warum eine sorgfältige Bestandsanalyse vorab so wichtig ist.

Unser Fazit: Dieser Fall ist eine eindringliche Warnung. Eingriffe in tragende Bauteile erfordern immer eine sorgfältige statische Prüfung und Planung durch Fachingenieure. Die Annahme, eine Konstruktion hätte „genügend Reserven“, ist nicht nur fahrlässig, sondern lebensgefährlich.