Im Rahmen unserer Reihe „Warum Konstruktionen kollabieren“ beleuchten wir Fälle aus der Praxis, die zeigen, wie schnell unsachgemäße Eingriffe oder langjährige, unbemerkte Prozesse die Bausubstanz bis an ihre Grenzen bringen können. Heute: ein Fall, der die Tücken unsichtbarer Schäden verdeutlicht.
Bei der Sanierung eines Laubenganggebäudes aus den 1970er-Jahren wurde nach dem Entfernen alter Fassadenverkleidungen ein alarmierender Zustand der tragenden Stahlbetonstützen sichtbar. Ausgelöst wurde der Prozess durch eine alltägliche und nachvollziehbare Maßnahme: Um die Laubengänge im Winter sicher zu halten, kam über Jahrzehnte Streusalz zum Einsatz. Das salzhaltige Wasser drang daraufhin unbemerkt in die Fugen zwischen Decken und Stützen ein und setzte einen fatalen Prozess in Gang.
Die eindringenden Chloride verursachten eine sogenannte chloridinduzierte Korrosion im Bewehrungsstahl. Anders als bei gewöhnlicher Korrosion, die durch Volumenvergrößerung des rostenden Stahls schnell zu sichtbaren Abplatzungen am Beton führt, löst diese spezielle Art der Korrosion den Stahl von innen heraus quasi auf. Die Bewehrung verliert ihre Tragfähigkeit und zerfällt bei Freilegung zu Staub, während die Betonoberfläche lange intakt erscheinen kann. Ein trügerischer Schein mit potenziell katastrophalen Folgen.

Wäre dieser Prozess unentdeckt geblieben, hätte die schleichende Zerstörung der Bewehrung die Tragfähigkeit der Stützen so weit reduziert, dass sie schließlich versagt hätte. Der Ausfall einer einzigen Stütze im unteren Bereich kann so einen progressiven Kollaps auslösen, der Teile des Gebäudes wie ein Kartenhaus zum Einsturz bringen.
Unser Team wurde hinzugezogen, um den Schaden zu bewerten. In enger Zusammenarbeit mit einem Materialprüfungsinstitut haben wir den Zustand der Bausubstanz detailliert analysiert. Dabei wurden unter anderem die Betondeckung, die Karbonatisierungstiefe sowie die Chloridbelastung in verschiedenen Bauteiltiefen ermittelt. Auf Basis dieser Ergebnisse verfasste unser zertifizierter Experte Bastian Bartholomä (§ 66 LBauO) ein umfassendes Instandsetzungskonzept.
Dieser Fall zeigt eindrücklich, dass eine oberflächliche Betrachtung nicht ausreicht. Nur durch eine detaillierte, ingenieurtechnische Untersuchung können versteckte Gefahren erkannt und die Standsicherheit von Bauwerken langfristig gewährleistet werden.